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News 2010
EINE AMERIKANERIN IN BERLIN von Sheila Callaghan
GTA hat die New Yorker Autorin Sheila Callaghan beauftragt, ein Musical für Berlin zu beschreiben: Die junge amerikanische Malerin Ashely möchte sich endlich ganz ihrer Kunst widmen und zieht nach Berlin. Dort trifft sie auf eine hippe amerikanische Komponistin Paula und die Berliner Cabaret-Sängerin und Lebensküsntlerin Silke. Ein wohlhabender amerikanischer Kusnthändler kümmert sich auffallend intensiv um Ashleys Künstelrkarriere und bereitet ihr Kopfzerbrechen: Geht es ihm wirklich nur um ihre Kunst? Als Ashley sich in den hübschen Barmann eines angesagten Clubs verliebt, gerät sie endgültig in Schwierigkeiten: Es stell sich heraus, dass er der Verlobte von Silke ist... Frei nach dem 1951 entstandenen Musicalfilm "Ein Amerikaner in Paris" von Vinzenze Minelli und Alan Jay Lerner erzählt die New Yorker Autorin Sheila Callaghan die Geschichte einer junge Amerikanerin, die zur Beflügelung ihrer künstlerischen Inspiration in eine europäische Kunstmetropole auswandert. In dem Film ist die Stadt Paris für den G-I. James Mulligan (Gene Kelly) die einzige wahre Künstlermuse: "Wenn du hier nicht malen kannst, heirate lieber die Tochter deines Chefs..." Für viele kreative Amerikaner hat diese Funktion seit dem Fall der Berliner Mauer die neue deutsche Hauptstadt übernommmen. Nicht nur die im Vergleich zu jeder größeren amerikanischen Stadt unschlagbar günstigen Unterhaltstkosten, auch die Offenheit der Strukturen und die unmittelbare Greifbarkeit historischer Ereignisse, die sich unübersehbar in die Topographie der Stadt eingeschrieben haben, faszinieren. Voller romantischer Ideale vereinnahmen amerikanische "Expats" die Freiräume einer sich immer noch neue definierenden, weil einst durch zwei ideologische Systeme geteilten Stadt - und werden mit offenen Armen empfangen: Welcher Berliner träumt im sicheren Kiezhafen nicht gerne von seiner Stadt als Kunstmetorpole, sonnt sich im weltläufigen Glanz der englischen Sprache und genießt den Schein des weiterhin erschwinglichen Weltstadt-Daseins? Mit dem neuen Projekt "Eine Amerikanerin in Berlin" macht GTA den Handschlag zwischen deutschen und amerikanischen Theatertraditionen, wirbelt virulente Berlin- und Amerika-Mythen auf und wagt den Blick unter die Oberfläche: Das Well-Made-Entertainment klopft an den Elfenbeinturm und bitte die Hochkultur zum Tanz. Charakter- und Muscialdarsteller prallen aufeinander und stehlen sich gegenseitig die Show. Verzweifelte Sinnsucher werden von der längsten Girlsreihe der Welt mitleidslos lächelnd auf die Showtreppte gekickt und versuchen übers Trapez zu entkommen. Das Wasserballett fällt bei soviel sensibler Nabelschau ins ausfahrbare Becken und ertrinkt. Der berühmte Musicalfilm steht Pate, um empfindliche Themen fröhlich aufs Tablett zu bringen. Hinter Vertrautem schimmert - betörend verstörend - Befremdliches. Three Cities
New York - Berlin - Tel Aviv Ein Triptychon Mit dem internationalen Austauschprojekt Three Cities verlässt German Theater Abroad erneut den konventionellen Theaterraum- Sektor und ernennt drei grüne Container zu kulturellen Botschaftern zwischen Berlin, New York und Tel Aviv. An den Ufern der drei Hafenstädte öffnen sie ihre Tore für eine Erzählung von modernen Menschen als Wanderer zwischen fremden Städten. Die alten und neuen Metropolen Berlin, New York und Tel Aviv, alle einst als Kolonien gegründet und untrennbar durch die Geschichte miteinander verbunden, stehen heute - noch oder wieder- paradigmatisch für den Typ der offenen Einwanderermetropole: Ursprünglich europäisch geprägt, wurden sie am Beginn des 21. Jahrhunderts zum Kreuzpunkt für globale Wanderungsbewegungen. Komplex und widersprüchlich in ihrer Identität sind sie Magnetstädte, deren offene Strukturen Menschen auf der Suche aus aller Welt- auf Zeit oder auf Dauer- anziehen. Ihre unbestimmte und fragile kulturelle Identität macht sie zum Schauplatz und Labor neuer Entwicklungen unserer modernen Geselschaften jenseits lokaler und nationaler Traditionen. Mit Three Cities schickt GTA drei Autoren auf Wanderschaft: Raoul Zelik (Berlin) zieht nach Tel Aviv, Lynne Tillmann (New York) nach Berlin und Nir Baram (Tel Aviv) nach New York. Zwei Monate lang erkunden sie dort die ihnen unbekannte Welt, lassen sich beeindrucken, mitreißen und irritieren. Sie schreiben Episoden über Menschen, die - wie sie- ihre bekannte Umgebung verlassen und sich in den offenen Strukturen von Berlin, New York oder Tel Aviv auf die Suche begeben haben. Frauen und Männer, junge und alte Menschen, vielleicht auf der Flucht vor einem alten Leben, verzaubert von einer neuen Liebe oder auf der Suche nach ihren verloren geglaubten Wurzeln - wie ein moderner Odysseus wandern sie zwischen und in den drei Städten umher, getrieben von der Suche nach sich selbst. Mit Schauspielern aus New York, Berlin und Tel Aviv untersucht der New Yorker Regisseur Daniel Fish das szenische Potential der so entstandenen literarischen Episoden. Die individuellen Erfahrungen der Schauspieler, des Regisseurs und des international besetzten Produktions- Teams fließen in die Arbeit mit ein: Zuerst in Workshops in den einzelnen Städten anschließend kommen alle Beteiligten des Projekts zu den Endproben in Berlin zusammen. Im September 2010 wird Three Cities im Haus der Kulturen der Welt in Berlin uraufgeführt. Drei grüne Container dienen als Bühnenbild und Wanderbühne - und werden anschließend nach New York und Tel Aviv weiter verschifft, um auch dort von dem Typus des modernen Odysseus zu berichten. Magnetstädte Die drei Städte New York, Berlin und Tel Aviv, einst als Kolonien gegründet, stehen paradigmatisch für den Typ der offenen westlichen Metropole, die auch am Beginn des 21. Jahrhunderts Kreuzungspunkt für globale Wanderungsbewegungen ist. Sie sind Magnetstädte, die Migranten anziehen, auf Zeit oder auf Dauer, aus wirtschaftlichen, politischen aber auch aus künstlerischen Gründen. Unsicher in ihrer Identität sind diese Städte auf der Suche nach ihrer Bestimmung, dem Sinn ihrer Geschichte, kulturell offen für den Zugewanderten. Sie gehören nicht den "Eingeborenen". Sie sind offen für das Neue. Moderne Metropolen Die moderne Metropole mit ihrem Versprechen der persönlichen Freiheit und des wirtschaftlichen Aufstiegs sind Rückgrat und treibende Kraft einer offenen und demokratischen Gesellschaft, die ihren Mitgliedern die Chance zur Selbstverwirklichung eröffnet. Sie sind der Ort des ambivalenten Versprechens der modernen Freiheit, an dem Individuum sich neu erfinden, aber auch verlieren kann. ihre offene und fragile kulturelle identität macht diese Städte zum Schauplatz und Labor neuer Entwicklungen unserer modernen Gesellschaften jenseits lokaler und nationaler Traditionen. Migranten Unter den zugewanderten auf Zeit finden sich oft Künstler, die jenseits der anziehenden Offenheit dieser Städte gerade auch die Verwerfungen Geschichte wahrnehmen, die gebrochenen Versprechen, die Katastrophen der Vergangenheit und die fortdauernden Konflikte. Für sie sind gerade die dunklen Seiten der Geschichte Attraktionen und Inspiration. Berlin und Tel Aviv sind vor allem durch die Überlebenden des Holocaust untrennbar verbunden. New York und Berlin verbinden neben den vielen deutschen Auswanderern und dem Wunsch Berlins wie New York zu sein, auch die zwei Weltkriege und die Befreiung vom Nationalsozialismus. Nach dem epochalen Fall der Mauer wurde Berlin für viele junge Amerikaner und jüngst auch für viele Israelis der dritten Generation zu einem wichtigen Ort der künstlerischen Arbeit und Auseinandersetzung. Team Künstlerischer Leiter/Produzent Ronald Marx Regisseur Daniel Fish Bühnenbild Frank- Tilmann Otto Dramaturg Jens Hillje Dramaturgin Verena Harzer Produktionsmanagment Eva Karen Tittmann |
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